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Academia Baltica gefährdet



Schleswig-Holstein will Bildungseinrichtung nicht mehr fördern

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.9.2006, Nr. 216 / Seite 4


F.P. LÜBECK, 15. September. Die seit sechs Jahren in Lübeck arbeitende Academia Baltica ist gefährdet. Die Bildungseinrichtung, die aus der Ostsee-Akademie in Travemünde hervorgegangen ist, hat sich vor allem um das Verhältnis zu den osteuropäischen Nachbarn verdient gemacht, besonders zu den Polen, Balten und Russen. Ihr Programm ist international ausgerichtet, soll die Wachstumschancen des Ostseeraums im erweiterten Europa erkunden und dabei vor allem junge Leute ansprechen. Nach dem Haushaltsentwurf, der in dieser Woche in erster Lesung vom Landtag in Schleswig-Holstein behandelt wurde, will das Land seine Unterstützung der Akademie im nächsten Jahr halbieren und ein Jahr darauf ganz einstellen.


Es geht dabei insgesamt um eine Einsparung von 180 000 Euro. Ein Gespräch mit dem zuständigen Staatssekretär in Kiel, dem Leiter der Staatskanzlei, Maurus (CDU), brachte keine Lösung. Maurus sagte, die Einsparung habe man bei der jüngsten und kleinsten Einrichtung vorgenommen. An der Entscheidung sei nicht zu rütteln. Der FDP-Landtagsabgeordnete Klug kritisierte: "Durch Schließung der Academia Baltica beschädigt die Landesregierung das Netzwerk der Ostseezusammenarbeit." Zwar speist sich die Academia Baltica aus vielen Quellen. Das Geld des Landes aber ist notwendig, um die zwei Stellen und das Sekretariat in Lübeck halten zu können. Die Academia Baltica entstand, als deren Vorgänger, die Ostsee-Akademie im Pommern-Zentrum Travemünde, 2001 in die Schlagzeilen geraten war. Die Ostsee-Akademie wiederum war Ende der achtziger Jahre von dem vor wenigen Wochen gestorbenen Philipp von Bismarck gegründet worden. Träger der Akademie war die Pommersche Landsmannschaft.
Die Landsmannschaft warf der Akademie "Polentümelei" vor. Der Konflikt führte schließlich dazu, daß sowohl der Bund als auch das Land die Förderung für die Ostsee-Akademie einstellten. Albrecht zog aus dem Pommern-Zentrum aus und gründete die neue Akademie in Lübeck. Das Land gab das ursprünglich für Travemünde vorgesehene Geld nunmehr der neuen Bildungseinrichtung. Der Bund indes sagte nur noch eine Projektförderung zu, die seitdem von Jahr zu Jahr geringer geworden ist. 2002 waren es noch 265 000 Euro, im vergangenen Jahr nur noch 74 000 Euro. Der Akademie wird immer wieder Weltoffenheit im Umgang mit den östlichen Nachbarn bescheinigt.