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Academia Baltica vor dem Aus?

Lübecker Nachrichten 20.09.2006

Lübeck - Die Academia Baltica steht auf der Kippe. Das Land will der Bildungseinrichtung, die den Austausch im Ostseeraum fördert, die Zuschüsse streichen.

von Liliane Jolitz


Seminare, Reisen, eigene Publikationen: Seit fünf Jahren arbeitet die Academia Baltica in Lübeck an einer besseren Zusammenarbeit im Ostseeraum, schafft Begegnungen zwischen Deutschen und ihren Nachbarn. Die Nachfolgerin der Ostsee-Akademie hat nur zwei feste Planstellen und einen kleinen Etat, etwa 600 000 Euro pro Jahr. Die einzige feste Förderung kam bisher vom Land: 120 000 Euro pro Jahr. Diese Mittel sollen im nächsten Jahr halbiert und 2008 ganz gestrichen werden. "Dann ist für uns Schluss", sagt Akademie-Leiter Christian Pletzing.

Etwa 35 Veranstaltungen richtet die Akademie jährlich aus. Wochenendseminare wie zum Beispiel die Drei-Tages-Veranstaltung "Flüchtlingsschicksale - Erinnerungen und Gegenwart" am kommenden Woche in der Akademie Sankelmark. Es geht um Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch um das Leben von Menschen, die heute als Flüchtlinge in Deutschland leben. Zu dem Seminar haben sich Teilnehmer aus Deutschland, Russland und Polen angemeldet.

Auch Reisen bietet die Academia Baltica an, natürlich keine touristischen und auch keine klassischen Studienreisen, wo eine Kirche nach der anderen besichtigt wird. Die nächste Akademiereise beginnt am kommenden Wochenende und führt nach Litauen und Weißrussland. In Vilnius gibt's ein Gespräch mit einem Mitglied der jüdischen Gemeinde über die Situation der Juden im heutigen Litauen, in der Hauptstadt Weißrusslands Minsk ist ein Treffen mit einem "unabhängigen Intellektuellen" geplant und ein Gespräch zum Thema "Land vor der Wende".

"Wir führen Menschen zusammen", sagt Pletzing über die Arbeit der Academia Baltica. Aber wie lange noch? Die Landeszuschüsse deckten bisher immerhin den größten Teil der festen Kosten für Personal und Miete der Räume im Hoghehus am Koberg in Lübeck von zusammen 175 000 Euro. Der Rest kam über Teilnehmerbeiträge (50 Prozent) und weitere 30 Prozent über so genannte Drittmittel (Förderung durch Stiftungen oder andere Einrichtungen) herein.

Besonders bitter für die Lübecker Einrichtung: Die Kieler Staatskanzlei will vier der fünf Einrichtungen, die aus dem Topf für "Heimvolksschulen und Bildungsstätten" unterstützt werden, verschonen. Die Academia Baltica aber trifft es voll, sie soll ab 2008 keinen Cent mehr bekommen. Es sollte nicht nach dem Rasenmäherprinzip vorgegangen werden, sagt Pletzing: "Wenn bei allen fünf Einrichtungen jeweils 20 Prozent gekürzt würde, würde uns auch dies hart treffen, aber wir hätten eine Chance zu überleben." Ein Gespräch mit dem Leiter der Staatskanzler Heinz Maurus führte nicht weiter. Enttäuschend fand Pletzing auch die Begründung, warum ausgerechnet die Academia Baltica auf die Streichliste gesetzt wurde: weil sie die kleinste und jüngste Einrichtung sei.

Das kann der Akademie-Leiter nicht nachvollziehen: "Man sollte Qualitätskriterien anlegen", fordert er. "Wenn die wenigstens sagen würden, dass wir zu wenig leisten oder schlecht wirtschaften."

In einer Stellungnahme der Staatskanzlei heißt es, die Entscheidung, diesen Haushaltstitel zu kürzen, erfolge aus rein fiskalischen Gründen, sie stelle in keiner Weise eine Wertung der geleisteten Arbeit dar. Staatssekretär Maurus habe mit der Akademie darüber gesprochen und noch stärkere Kooperationen mit anderen Bildungsträgern angeregt: "Es wird begrüßt, wenn es der Academia Baltica gelänge, in einer solchen Partnerschaft ihre Arbeit fortzusetzen."