Startseite

Neue Ostseeakademie: “Academia Baltica”

 

Kieler Nachrichten vom 4. Dezember 2001

 

Lübeck
Die nach den Querelen um die Ostseeakademie neu gegründete “Academia Baltica” hat gestern offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Sie werde die Tradition fortsetzen, das gemeinsame Gedächtnis früher verbundener Nationen im Ostseeraum zu pflegen und Versöhnung zu stiften, sagte der Vorsitzende der “Academia Baltica”, Herbert Gienow, auf der Auftaktveranstaltung. Bund und Land hatten der Ostseeakademie wegen befürchteter revanchistischer Tendenzen die Förderung entzogen.

“Wenn es die Ostseeakademie nicht schon gäbe, müsste man sie jetzt schaffen”, dieser Satz des Bundespräsidenten Roman Herzog zum zehnten Geburtstag der Ostseeakademie 1998 hat eine neue Bedeutung erlangt, denn genau das tun wir heute”, sagte Schleswig-Holsteins Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Die Ostseeakademie habe von 1988 bis 2000 die Verständigung der Deutschen mit den Staaten Osteuropas vertieft und mitunter erst ermöglicht. Die “Academia Baltica” werde diese Arbeit fortsetzen, sagte Erdsiek-Rave. Der Berliner Historiker Arnulf Baring betonte, der Verlust der ehemaligen deutschen Gebiete östlich der heutigen Ostgrenze sei nicht allein ein Problem der Vertriebenen, sondern aller Deutschen. Das Vermitteln von Wissen und Geschichte, Kultur und Mentalität dieser Gebiete sei eine wichtige Aufgabe.

Die Akademie war am 24. September in Lübeck gegründet worden. Vorangegangen waren politische Auseinandersetzungen um den künftigen Kurs der von der Pommerschen Landsmannschaft getragenen Ostseeakademie. Mit Seminaren und Begegnungstreffen will sie das Wissen über Kultur und Geschichte der Gebiete im Norden und Osten Europas sowie die Aussöhnung mit den polnischen und tschechischen Nachbarn fördern. Bund und Land haben zugesagt, die ursprünglich für die Ostseeakademie vorgesehene Förderung in Höhe von insgesamt rund 1,2 Millionen DM der “Academia Baltica” zur Verfügung zu stellen.