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“Academia Baltica” überstand das erste Jahr

Lübecker Nachrichten 12. Februar 2003

Die “Academia Baltica”, Nachfolgerin der Ostsee-Akademie, hat ihre Feuertaufe bestanden. Das erste Jahr schließe mit einer Erfolgsbilanz, sagten Akademieleiter Dr. Dietmar Albrecht und Vorstandsmitglied Heiko Hoffmann, früherer Kieler Justizminister, gestern bei der Vorstellung der Zahlen.

In 31 Veranstaltungen wurden 1300 Teilnehmer gezählt - mehr als ein Drittel kam aus Ost- und Mitteleuropa. Zum Vergleich: Zu ihren besten Zeiten lockte die Ostsee-Akademie 4000 Menschen in ihre Veranstaltungen. Die “Academia Baltica” hat sich die Verständigung der Deutschen mit ihren östlichen Nachbarn zum Ziel gesetzt. “Das Echo auf unsere Arbeit in den Universitäten von Warschau, Prag, Stettin, Krakau und Wilnius ist außerordentlich groß”, so Hoffmann. In Deutschland gebe es keine vergleichbare Einrichtung.

Akademieleiter Albrecht sprach von “einem kleinen Wunder”. 2001 ging die Ostsee-Akademie im Streit zwischen der Pommerschen Landsmannschaft, der Akademieleitung und der Landesregierung unter. “Unmögliche Angriffe” der Landsmannschaft hätten die Zusammenarbeit belastet, erklärte Vorstandsmitglied Hoffmann. Im Verlauf des Streits sperrte die Landesregierung der Akademie die Mittel.

Am 3. Dezember 2001 wurde die Nachfolgerin der Ostsee-Akademie im Lübecker Rathaus aus der Taufe gehoben. Die muss allerdings kleinere Brötchen backen. Das Haus in der Mengstraße hat keine repräsentativen Räume wie das Pommernzentrum. Von zehn Mitarbeitern sind noch fünf dabei. Der Etat schrumpfte von über eine Million auf 640 000 Euro. 265 000 Euro kommen vom Bund, 138 000 vom Land, 17 000 von Stiftungen, 34 000 aus Spenden und 185 000 aus Teilnehmerbeiträgen. Lübeck zahlt eine halbe Stelle.

In diesem Jahr will die “Academia Baltica” 40 Veranstaltungen auf die Beine stellen. Zu den Höhepunkten zählen eine Medienkonferenz mit 60 Rundfunkjournalisten aus dem Ostseeraum in den Media Docks, ein Kolloqium zum Thema “Ein Zentrum für Vertreibung?” sowie eine literarische Werkstatt zum Buch “Krebsgang” von Günter Grass.

Sorgen bereitet der “Academia Baltica” vor allem die Finanzierung. Die Landesmittel sinken langsam, aber stetig. Gravierender sind Ankündigungen des Bundes - des Hauptfinanziers -, seinen Beitrag um ein Drittel abzusenken. Akademieleiter Albrecht will versuchen, bei Stiftungen Zuschüsse einzuwerben.